Nemora – Branding für die stille Lebendigkeit des Waldes
Der Wald muss nichts beweisen. Er ist einfach da: ruhig, dicht und voller Leben. Zwischen dunklen Baumstämmen, Moos und Blättern gibt es immer etwas zu entdecken – und manchmal fällt ein einzelner Lichtstrahl durch das Blätterdach und lässt alles für einen Moment aufleuchten. Diese Mischung aus Ruhe und verborgener Energie wollte ich visuell einfangen. In diesem Projekt habe ich mich gefragt: Wie würde ein Wald aussehen, wenn er eine eigene visuelle Identität bekäme?
Wenn alles eine Marke wäre
Nicht jedes Corporate Design verkauft etwas. Manche stehen für ein Gefühl, eine Stimmung oder einen Moment. In dieser Serie spiele ich ein Gedankenexperiment und übersetze genau das in Gestaltung: Was passiert, wenn abstrakte Themen plötzlich eine visuelle Identität brauchen?
Mich interessiert, wie sich Dinge wie Ruhe, Chaos oder ein Wintermorgen gestalten lassen, wenn man sie wie eine Marke behandelt. Diese Projekte sind dementsprechend keine Kundenarbeiten. Sie entstehen aus Neugier und Kreativität.
Vom Gefühl zur Strategie
Der Wald ist für mich gleichzeitig ruhig und voller Leben. Wenn man zwischen den Bäumen steht, wird es stiller, langsamer, fast ein bisschen abgeschirmt. Und trotzdem passiert überall etwas: Es wächst, krabbelt, raschelt, bewegt sich. Genau diese beiden Seiten wollte ich für das Branding zusammenbringen – dunkle Ruhe und leuchtende Energie.
Das satte, tiefe Grün schafft dabei erst einmal diese ruhige, verwurzelte Basis. Dazu kommt ein fast schon neonartiges Grün. Es erinnert an junge Blätter, die plötzlich aus dem dunklen Unterholz leuchten, oder an einen Sonnenstrahl, der durch die Baumkronen und das dichte Blätterdach fällt. Ein kleiner Kontrast, der das ganze Erscheinungsbild lebendig macht.
Die Frage war also nicht einfach: Wie kann ich einen Wald darstellen? Sondern eher: Wie fühlt sich der Wald an, wenn man wirklich mittendrin steht? Ruhig. Verwurzelt. Dunkel. Und gleichzeitig voller Energie. Also weg von den typischen Erdtönen, dem bekannten Erdbraun etc… Wie kann man den Wald mal anders denken und sich abheben?
Das Moodboard als visuelle Richtung
Genau diese Stimmung habe ich zunächst in einem atmosphärischen Moodboard gesammelt. Dunkle Waldaufnahmen treffen auf leuchtendes Grün, Nahaufnahmen von Blättern und Rinde auf weite, neblige Baumlandschaften. Dazu kommen die ersten Farbideen: verschiedene tiefe Grüntöne als Basis und das leuchtende Grün als bewusster Akzent.
So entsteht schon vor dem eigentlichen Design eine Richtung: nicht der romantische Waldspaziergang, nicht rustikal und auch nicht kitschig-natürlich. Eher tief, modern und ein bisschen überraschend. Die Natur darf hier dunkel sein – und trotzdem leuchten.
Design mit System
Logo – Ein Stück Wald im Zeichen
Der Name stand für mich schnell fest: Nemora – lateinisch für „Wälder“. Klangvoll, etwas geheimnisvoll und gleichzeitig nah am Thema, ohne einfach „Wald“ auf das Logo zu schreiben.
Beim Schriftzug wollte ich genau diese Mischung weiterführen: organisch, roh und robust. Die Buchstaben wirken nicht geschniegelt, sondern ein bisschen unregelmäßig – so wie auch im Wald selten etwas vollkommen gerade oder symmetrisch ist.
Besonders wichtig ist dabei das „O“. Seine unregelmäßige Form erinnert an den Querschnitt eines Baumstamms und damit an die charakteristischen Jahresringe. Ein kleines Detail, das die Verbindung zum Thema herstellt, ohne den Wald direkt abbilden zu müssen.
Farbwelt – Dunkelgrün trifft Leuchtkraft
Die Farbwelt lebt vom Kontrast: sattes, kühles Dunkelgrün bildet die ruhige, tiefe Basis. Dazu kommt ein leuchtendes Neon-Grün, das an Lichtstrahlen erinnert, die durch das dichte Blätterdach brechen – oder an die frischen, hellgrünen Blätter junger Triebe.
Genau dieser Kontrast bringt die zwei Seiten des Waldes zusammen: Ruhe und Energie. Dunkelheit und Licht. Beständigkeit und Wachstum.
Formen & grafische Elemente – Spuren aus Jahresringen
Die charakteristischen Jahresringe eines Baumstamms tauchen auch an anderer Stelle im Design wieder auf. Dafür habe ich sie abstrahiert und als Muster eingesetzt, das sich immer wieder durch das Layout zieht.
Mal ganz dezent, mal etwas auffälliger. Sie lockern Flächen auf und geben dem Erscheinungsbild eine eigene Struktur. Und wieder ist es ein Detail, das man vielleicht erst auf den zweiten Blick bemerkt. Genau das mag ich daran.
Bildwelt – Vom Blatt bis zum Blätterdach
Bei der Bildwelt wollte ich bewusst zwei Perspektiven zusammenbringen: extreme Nähe und große Weite.
Makroaufnahmen zeigen die kleinen Details – Blattadern, junge Triebe, Rinde. Aufnahmen aus der Vogelperspektive dagegen lassen ganze Waldflächen sichtbar werden. Was beide verbindet, ist die dunkle, kühle Grundstimmung mit einzelnen leuchtend grünen Details.
Braune Erdtöne und warme Herbstfarben bleiben dabei außen vor. Stattdessen steht die ganze Bandbreite kühler Grüntöne im Mittelpunkt. So wirkt der Wald ruhig und tief – aber gleichzeitig erstaunlich lebendig.
Wo das Design funktioniert
Gerade bei einem Thema wie Wald wollte ich natürlich nicht bei einer digitalen Präsentation stehen bleiben. Die Gestaltung darf raus – mitten ins Grüne.
Auf einem großformatigen Plakat im Wald wird das leuchtende Neon-Grün zum echten Blickfang. Ein dunkelgrünes T-Shirt greift die Farbwelt zurückhaltender auf, während ein kleines Plakat direkt am Baum fast mit seiner Umgebung verschmilzt.
Auch auf Packaging funktioniert das System: dunkel, reduziert, mit leuchtenden Details und den abstrahierten Baumringen. Dazu kommt eine schlichte Edelstahl-Trinkflasche, auf der die Identität noch einmal ganz anders wirkt.
Denn genau das war mir wichtig: Das Branding sollte nicht nur auf einem Brandboard funktionieren. Es sollte sich in unterschiedliche Größen, Materialien und Situationen übersetzen lassen – vom kleinen Detail bis zum großen Auftritt.
Mein Fazit: Was dieses Projekt zeigt
Ein Wald zu gestalten, ohne bei den üblichen Naturklischees zu landen (Erdtöne & warme Herbsttöne) – genau das war für mich die spannende Herausforderung bei Nemora. Ich wollte nicht einfach „grün, erdig + Blätter“ gestalten, sondern die beiden Seiten zusammenbringen: die tiefe Ruhe des Waldes und die Energie, die darin ständig passiert.
Für mich zeigt das Projekt einmal mehr, wie viel man aus einem Gefühl entwickeln kann, wenn man nicht direkt mit Farben und Formen startet, sondern zuerst die Atmosphäre greifbar macht. Die Farbwelt, Typografie, Bildsprache und grafischen Elemente bekommen dadurch eine gemeinsame Logik – und genau das macht aus einzelnen Gestaltungselementen eine Identität.
Und natürlich lässt sich dieses Prinzip auch auf echte Marken übertragen: Nicht jedes Unternehmen muss laut, hell oder bunt auftreten, um lebendig zu wirken. Entscheidend ist, dass die Gestaltung zu dem passt, was eine Marke ausmacht – und dieses Gefühl über verschiedene Medien hinweg wiedererkennbar macht.
Brandboard - Alles auf einem Blick
Und jetzt ihr:
Welches abstrakte Thema soll ich als Nächstes gestalten? Habt ihr eine Idee? Schreibt mir gern – ich freu mich drauf.
Wenn alles eine Marke wäre
Diese Arbeit ist Teil einer fortlaufenden Serie, in der ich abstrakte Themen wie Gefühle, Phänomene oder Rituale wie Marken behandle. Nicht als Spielerei, sondern als Gedankenexperiment mit Kreativität und Strategie.
Hi, ich bin Daria
– Designerin für strategisches Marken- und Webdesign.
Designerin für strategisches Marken- und Webdesign.
Seit über 10 Jahren unterstütze ich Unternehmen dabei, mit klaren Konzepten, Struktur und Haltung sichtbar zu werden. Für mich ist Design kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, das Orientierung schafft und Marken stärkt.
Wenn ihr gerade vor der Frage steht, wofür eure Marke eigentlich steht – oder wie sich etwas Abstraktes klar und greifbar übersetzen lässt:





